Die Kolpingkapelle entstand als Kapelle des Gesellenvereins Kindsbach. Der katholische Gesellenverein wünschte sich bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 1919 eine Kapelle zur musikalischen Umrahmung seiner kulturellen Veranstaltungen. Einige Gesellen begannen bereits 1922 mit der Suche nach Musikern und bildeten Musikinteressierte an den wenigen Instrumenten, die man sich damals leisten konnte, aus. Nach vier Jahren mühevoller Aufbauarbeit wurde 1926 die Gesellenkapelle Kindsbach mit 32 Musikern gegründet. Herr Jacob Zettelmeyer wurde zum Dirigenten gewählt. Durch regelmäßige Übungsstunden entwickelte sich die Gesellenkapelle zu einem ansehnlichen Klangkörper, der die örtlichen Veranstaltungen musikalisch bereicherte. Bald wagte man sich über die Grenzen Kindsbachs hinaus. Der erste Einsatz erfolgte beim Gesellentag 1927 in Zweibrücken.
Im Jahre 1928 mußte die Gesellenkapelle ihren langjährigen Förderer, Herrn Pfarrer Wildanger, verabschieden. An seine Stelle trat der neue Präses des Gesellenvereins, Herr Pfarrer Messer, der sich mit gleicher Aufgeschlossenheit der Gesellenkapelle annahm und sich ebenfalls große Verdienste um diese erwarb. Die folgenden Jahre waren von einer steten Aufwärtsentwicklung gekennzeichnet, die mit der Machtübernahme Hitlers im Jahre 1933 ein jähes Ende fand. Dem Gesellenverein und seiner Kapelle wurde verboten, Versammlungen abzuhalten und sich in der Öffentlichkeit zu betätigen. Die Zentrale in Köln versuchte, durch Umbenennung des Gesellenvereins in Kolpingfamilie, das Weiterbestehen zu sichern. Der Kriegsausbruch im Jahre 1939 ließ die Vereinsarbeit endgültig zusammenbrechen, weil die meisten Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen wurden. Das Interesse an der Musik ging aber durch den Krieg nicht verloren. Im Jahre 1947 wurde die Kapelle durch einige Kolpingbrüder wiederbelebt. Dirigent war Herr Max Höllein.
Im Jahre 1956 wurde der damalige Altsenior der Kolpingfamilie, Herr Rudolf Thomas, beauftragt, die Kapelle weiter aufzubauen. Eine groß angelegte Werbeaktion fand bei der Jugend begeisterten Zuspruch. 20 Jugendliche begannen ihre musikalische Ausbildung. Die noch vorhandenen Instrumente wurden aufgeteilt und neue Instrumente angeschafft. Als Dirigent stellte sich Herr Anton Pietschak zur Verfügung. Unter seiner Leitung und dank intensiver Übung der einzelnen Musiker konnte sich die neue Kapelle zum ersten Mal anläßlich des 40-jährigen Priesterjubiläums des Präses, Herrn Pfarrer Roth, der Öffentlichkeit vorstellen. Ermutigt durch diesen Erfolg wurde mit immer größer werdendem Eifer weitergearbeitet, so daß aus der Kolpingkapelle ein stattlicher Klangkörper wurde. Bald wagte man sich wieder an größere Einsätze heran.
Die markantesten Höhepunkte in den Jahren 1958 bis 1965 waren die Sachselnwallfahrt des Kolping-Diözesanverbandes Speyer in die Schweiz, das Sommerfest der Kolpingfamilie Kornhöfstadt, das 75-jährige Sommerfest der Kopingfamilie Mosbach und das 35-jährige Jubiläum der DJK Ziegelhausen. Jährlich fuhr man ins Wielandheim nach Heidelberg.
Anfang des Jahres 1965 zählte die Kapelle 27 Musiker und man hatte eine Nachwuchsgruppe von 18 Jugendlichen. Herr Bertram Berberich wurde zum Musikleiter gewählt, und Herr Rudolf Thomas wurde als Anerkennung für seine geleistete Arbeit zum Ehrenmusikleiter ernannt. Im Sommer 1965 wurde das erste Musikfest mit 6 mitwirkenden Kapellen in der Gastwirtschaft Braun abgehalten. Im darauf folgenden Jahr wurde das 40-jährige Jubiläum drei Tage lang groß gefeiert.
Im Jahre 1967 veranstaltete die Kapelle ihr erstes Osterkonzert. Seitdem ist das Osterkonzert zu einem jährlichen Höhepunkt im kulturellen Leben der Gemeinde Kindsbach geworden. Im selben Jahr begleitete die Kapelle zum zweiten Mal die Diözesanwallfahrt der Kolpingfamilie nach Sachseln in die Schweiz.
Das Jahr 1968 ist als ein Rekordjahr in die Vereinsgeschichte eingegangen. Nur einige Höhepunkte sollen erwähnt werden: der erstmalige Einsatz beim Rosenmontagszug in Neunkirchen (Saar), die erlebnisreiche Fahrt nach Gais (Südtirol), bei der eine Freundschaft mit der dortigen Kapelle geschlossen wurde, das große Musikfest mit 20 teilnehmenden Kapellen, darunter eine amerikanische Kapelle und die Freundschaftskapelle aus Gais. Besonders erwähnenswert ist, daß in diesem Jahr zum ersten Mal amerikanische Soldaten in der Kolpingkapelle mitspielten.
Als Botschafter deutschen Kulturgutes führte die Kolpingkapelle auch Konzertreisen ins Ausland durch. So nahm sie 1969 am Landesmusikfest in Meran (Südtirol) teil und belegte dort bei der Konzert- und Marschmusikwertung jeweils einen 1. Rang. Als sich 1971 der amerikanische Musikfreund Gerald Cohn, der schon einige Jahre bei der Kapelle mitspielte, verabschiedete, versprach er, die Kapelle einmal nach Amerika einzuladen. Im Herbst 1971 kam die Einladung. Im Juni 1972 trat die Kolpingkapelle die Reise über den Ozean an. Es war die bisher größte Reise und das beeindruckendste Ereignis in der Geschichte der Kapelle überhaupt. Bei einem Konzert in New York bekam die Kapelle sogar den Goldenen Schlüssel der Stadt überreicht. Ausschnitte aus den Konzerten konnten im Deutschen Fernsehen miterlebt werden.
Höhepunkte im Jahr 1973 waren die Teilnahme am großen Pfälzischen Abend in Rohrbach (Saar), die musikalische Begleitung der Burgspiele in Landstuhl und die Mitwirkung am Tag der Hausmusik mit Fernsehübertragung aus Kindsbach. Ihr 50-jähriges Bestehen konnte die Kolpingkapelle 1976 unter Beteiligung vieler einheimischer Kapellen und der Festkapelle aus Rattenberg (Österreich) feiern. Die Kapelle zählte zu diesem Zeitpunkt 50 Musiker.
Seit der Neugründung hat man sich insbesondere der Jugendarbeit angenommen. Um dieser ein noch stärkeres Gewicht zu geben, gründete man schon früh eine Jugendkapelle. 1973 stand die Jugendkapelle unter der Leitung von Franz Groß sen. Bei der späteren Neugründung des heutigen Jugendorchesters übernahm Armin Held die Stabführung. Im Rahmen der Osterkonzerte zeigte das Jugendorchester stets sein Können. Um die musikalische Ausbildung der Jugendlichen noch differenzierter durchführen zu können, rief man eine zweite Jugendkapelle ins Leben, deren Leitung Joachim Stemler übernahm. Das Jugendorchester ist seither ein fester Bestandteil in der Ausbildung der jugendlichen Nachwuchsmusiker der Kolpingkapelle. Nach Joachim Stemler, Dirk Lehnhardt und Klaus-Peter Becker, steht das Jugendorchester seit 1997 unter der Leitung von Kristina Schier.
Von den eigenen Leistungen überzeugt, entschloß sich die Kolpingkapelle im Herbst 1977, zur Verewigung des musikalischen Niveaus eine Schallplatte aufzunehmen, die in der Öffentlichkeit großen Zuspruch fand. 1978 erfolgte, wiederum auf Einladung des amerikanischen Freundes Gerald Cohn, die zweite Konzertreise nach Amerika. Dort entstand eine herzliche Freundschaft mit der "American Legion Band" aus Danville. Neben den Konzerten an verschiedenen Orten blieb diesmal genügend Zeit, einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Besonders die Niagarafälle fanden das lebhafte Interesse der Teilnehmer.
Schon zwei Jahre später sah man sich wieder. Die Danville Legion Band kam nach Kindsbach. Die Kolpingkapelle scheute keine Kosten und Mühe, die ihr in Amerika zuteil gewordene Gastfreundschaft zu erwidern. Mit einer erneuten Einladung nach Amerika für Juni/Juli 1981 bedankten sich die amerikanischen Gäste. Die Einladung wurde begeistert angenommen, und so flog man zum dritten Mal in die USA.
Beeindruckend für die Kapelle war auch der zweimalige Einsatz beim Städteturnier in Landstuhl, wobei der Ablauf einer Funklivesendung miterlebt werden konnte.
In Verbindung mit dem Kreismusikfest feierte die Kapelle im Mai 1981 ihr 55-jähriges Bestehen. Mit einem abwechslungsreichen Festprogramm stand Kindsbach vier Tage lang im Zeichen des Jubiläums. Frühschoppen, Essen im Festzelt, Totenehrung, Festabend mit Ehrungen des Kreismusikverbandes, Kirchenparade, Festgottesdienst, Sternmarsch und Freundschaftsspielen waren die wichtigsten Programmpunkte. 19 Kapellen, Musikvereine und Orchester beteiligten sich am Freundschaftsspiel. Das Abschlußkonzert gab die amerikanische USAFE-Band "Ambassadors".
Über Gerald Cohn kam die Verbindung zu einer norwegischen Kapelle zustande, die im Jahre 1981 Kindsbach besuchte und im Rahmen des 55-jährigen Jubiläums einen norwegischen Abend gestaltete. Einer Einladung dieser Kapelle folgte die Kolpingkapelle im Juni 1983 und reiste nach Maloy in Norwegen.
Das Jahr 1982 brachte der Kapelle einen Dirigentenwechsel. Nach 26 Jahren mußte Herr Anton Pietschak aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock abgeben. Herr Bernd Jörg übernahm die musikalische Leitung der Kapelle und stellte sich beim Osterkonzert 1983 zum ersten Mal der Öffentlichkeit als neuer Dirigent vor.
Bei dem 11. Südtiroler Landesmusikfest in Meran, das im Oktober 1985 stattfand, wollte die Kolpingkapelle nicht fehlen. Sie beteiligte sich mit 75 weiteren Musikkapellen aus Italien, Österreich, Deutschland, Dänemark und der Schweiz an Wertungsspielen, Konzerten, Marschmusikbewertung und am Festzug und konnte sich mit dem Prädikat "sehr gut" qualifizieren.
1986 feierte die Kolpingkapelle ihr 60-jähriges Jubiläum. Zum Programm unter Mitwirkung anderer Kindsbacher Vereine und zahlreicher Musikkapellen aus der Region gehörten auch die Sendung des Südwestfunks "Auf der Walz durch die Pfalz" und ein "Gro�r Bunter Abend" mit bekannten Künstlern. Das traditionelle Osterkonzert fand im Jubiläumsjahr zu Pfingsten statt.
Eine weitere unvergessliche Reise führte die Kapelle 1987 nach Rom. Dort trat man im Petersdom und während einer Papstaudienz vor ca. 20.000 Besuchern auf.
Dirigent Bernd Jörg hat die Kapelle mit den Jahren auf ein beachtliches Niveau gebracht. Durch regelmäßige Teilnahmen an Wertungsspielen werden die Musikerinnen und Musiker stets neu motiviert und bis an die Grenzen ihres Könnens gefordert. Neben vielen regionalen Wettbewerben trat man beim 1. Bundesmusikfest 1989 in Trier in der "Marschmusikwertung" und in der "konzertanten Wertung" an und erspielte sich in der Oberstufe einen "Ersten Rang mit Belobigung" sowie einen weiteren "Ersten Rang".
1990 besuchte man erneut die amerikanischen Freunde in Danville, die 1992 zum Gegenbesuch tolle Tage in Kindsbach erlebten.
Auch beim Europäischen Musikfest 1993, ebenfalls in Trier, nahm man in der Oberstufe einen "Ersten Rang" mit nach Hause. Beim 2. Bundesmusikfest in Münster erreichte man erneut zweimal das Prädikat "Sehr gut".
1996 vertrat die Kolpingkapelle Kindsbach das Bundesland Rheinland-Pfalz beim Deutschen Orchester Wettbewerb im thüringischen Gera in der Rubrik "Blasmusik". Die erfolgreiche Teilnahme war der Lohn für harte Probenarbeit.
Zum Repertoire der Kolpingkapelle gehören heute Stücke der traditionellen Blasmusik, konzertante Arrangements aus der klassischen Musik, moderne Kompositionen für Blasorchester und Arrangements aus der Pop- und Jazzmusik, die sowohl von den älteren als auch den jungen Mitgliedern der Kapelle mit großer Begeisterung gespielt werden.
Im Jubiläumsjahr 2001 feiert die Kolpingkapelle ihr 75-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen in Kindsbach. Es wurde die CD "Band Meeting" aufgenommen, und das 33. Osterkonzert fand in der ausverkauften Mehrzweckhalle statt. Auch mit 75 Jahren ist die Kolpingkapelle traditionell modern und präsentiert sich im Internet unter der Adresse http://www.kolpingkapelle-kindsbach.de. Zu Pfingsten nahm die Kapelle am 3. Bundesmusikfest in Friedrichshafen am Bodensee teil. Dort stellte sich die Kapelle beim Wertungsspielen dem Urteil der Fachjury und erreichte in der Oberstufe wieder das Prädikat "sehr gut".
Die Kolpingkapelle lebt durch ihre Musikerinnen und Musiker, die regelmä�g die Proben besuchen, bei zahlreichen Auftritten ihr Können zeigen und natürlich durch das Publikum, das die KoKaKi immer wieder durch seine Begeisterung für die Musik der Kapelle motiviert.
Kindsbach im Juni 2001